Die ESCHFOE - Entstehung und Entwicklung

Die ESCHFOE - Entstehung und Entwicklung

Zum damaligen Zeitpunkt noch weise Voraussicht, heute bereits spürbare Realität. Die nationalen Regelungen schmelzen zusehends dahin, während die Europäische Gemeinschaft mit dem Vertrag von Maastricht 1992 in die Europäische Union überging, die nun auch Zuständigkeiten in nichtwirtschaftlichen Politikbereichen besitzt. In mehreren Reformverträgen, zuletzt im Vertrag von Lissabon, wurde der übernationale Einfluss stetig ausgebaut und zugleich die gemeinsamen Institutionen schrittweise demokratisiert.

Auch im Bereich des Schornsteinfegerwesens ist der europäische Einfluss auf allen Ebenen spürbar. Sei es die Normung von Produkten und Verfahren oder gar gesetzliche Regelungen; die nationalen Interessen verblassen verglichen zu den Richtlinien und Gesetzen der EU.

Vor diesem Hintergrund beruhigt es, dass bereits 1954 erstmalig nach dem Kriege die Vertreter des Schornsteinfegerhandwerks aus den Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und den Niederlanden unter der Beteiligung Deutschlands in Stockholm zusammenkamen, um zu den Problemen des Berufes Stellung zu nehmen und zu einer ständigen Zusammenarbeit zu gelangen. Das Ergebnis dieser Tagung, zu der der Reichsverband des Schwedischen Schornsteinfegerhandwerks einlud, war die Gründung der Europäischen Schornsteinfegermeister-Föderation (ESCHFOE).

Zunächst bildeten die sechs Gründungsstaaten den Kern der Europäischen Schornsteinfegermeister-Föderation, der dann im Jahre 1955 auch das österreichische Rauchfangkehrerhandwerk beitrat. Zu Gründungszeiten bestand das Präsidium der ESCHFOE aus Herrn Lang (Schweden), Herrn Trappmann (Deutschland) und Herrn Flynderse (Dänemark). Die effektive Arbeit der ESCHFOE wurde in dieser Anfangsphase noch erheblich dadurch beeinträchtigt, dass zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede hinsichtlich der allgemeinen Berufsauffassung (Gewerbefreiheit, Kommunalisierung) vorlagen. Dennoch bestand der feste Wille, die Berufsangehörigen der einzelnen Mitgliedsstaaten durch Förderung zu unterstützen. Ziel sollte dabei sein, eine soweit wie möglich einheitliche Berufsauffassung und Zielsetzung mit der Maßgabe zu erreichen, das Ansehen des Schornsteinfegerhandwerks in Europa zu heben, seine Notwendigkeit zu unterstreichen und eine entsprechende Entlohnung sicherzustellen.

Mit den Jahren hat sich die ESCHFOE zu einem immer wertvolleren Instrument zur Pflege der zwischenstaatlichen Kontakte und ihren Mitgliedsorganisationen entwickelt. Dadurch trägt sie zu einer stetigen Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses untern den zusammengeschlossenen Ländern bei. Ihre regelmäßigen Mitgliederversammlungen sind stets willkommene Gelegenheit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Behandelt werden sowohl berufsrechtliche Fragen als auch technische Erkenntnisse und Entwicklungen. Aber auch Themen wie Nachwuchs- und Ausbildungsprobleme und Gebührenfragen standen im Zentrum der Beratungen. Doch trotz der eingehenden Aussprachen und Diskussionen sind viele Probleme aufgrund der stark unterschiedlichen Struktur der beteiligten Länder nicht gelöst.

Während der Föderations-Tagung im Juni 1966 in Paris wurde schließlich die erste Satzung der ESCHFOE verabschiedet. Seit dieser Zeit wurde die Satzung stetig weiterentwickelt und der Zweck des Verbandes wie folgt festgelegt:

1. Unterstützung bei der Ausbildung der europäischen Schornsteinfeger, und zwar auf der Grundlage des europäischen Ausbildungsplanes;
2. Unterstützung der Mitgliedsorganisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, insbesondere bei der Ausbildung und bei Fortbildung sowie bei der Schulung und dem Austausch zwischen den Unternehmen;
3. Förderung der fachbezogenen wissenschaftlichen Forschung;
4. Pflege der Beziehungen zu der ausführenden und gesetzgebenden Gewalt, zu den Partnern auf dem Arbeitsmarkt und den Verbänden; Sicherstellung der Vertretung der Verbandsmitglieder von Institutionen und Organen der Europäischen Union; Unterbreitung von Vorschlägen und Anregungen; Unterrichtung der betreffenden Öffentlichkeit;
5. Ausarbeitung und Umsetzung von angepassten Maßnahmen, um den Berufsstand im Zeitalter der Verwirklichung des einheitlichen europäischen Marktes zu sichern und fortzuentwickeln;
6. Unterrichtung der Mitglieder über die Folgen der Verwirklichung des einheitlichen europäischen Marktes für die Handwerksinnung der Schornsteinfeger.

Aus den einstigen sechs Gründungsmitgliedern entstand bis heute ein starker Zusammenschluss aus insgesamt siebzehn ordentlichen Mitgliedern und sechs Gastmitgliedern. Damit sind heute praktisch alle europäischen Staaten in der ESCHFOE organisiert, aber auch der Brückenschlag in die USA und in die Türkei ist bereits gelungen. Damit hat das Schornsteinfegerhandwerk mit der ESCHFOE eine starke Vertretung in Europa und der Welt. Die ESCHFOE ist mittlerweile nach belgischem Recht firmiert und verfügt über einen Sitz in Brüssel. Sitz des Generalsekretariats ist seit vielen Jahren in Deutschland, in der Geschäftsstelle des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks.

Aufgabe der ESCHFOE muss es sein, den Kunden von der Notwendigkeit der Überprüfungs- und Reinigungsarbeit des Schornsteinfegers zu überzeugen. Des Weiteren muss der Bürger von den Vorteilen des Schornsteins überzeugt werden. Der Schornstein birgt für den Kunden Wohnbehagen und Sicherheit. Der Schornstein ist eine entscheidende Voraussetzung, um den Energieträger wechseln zu können, das Heizsystem an neue Entwicklungen anzupassen und den Werterhalt des Hauses zu sichern. Dienstleistungen rund um den Schornstein sind erforderlich, um die Funktionsfähigkeit des Schornsteins, die Sicherheit des Kunden, den vorbeugenden Brandschutz und den Umweltschutz zu gewährleisten.

Ein einzelner Handwerker kann berufspolitisch wenig ausrichten. Deshalb ist es wichtig, sich in Verbänden zu organisieren und seine Interessen gemeinsam wahrzunehmen. Wir brauchen die ESCHFOE, um als Berufsverband in Europa eine Stimme zu haben. Weitsichtige Entscheidungen und die Solidarität des ganzen Handwerks sollen zum Erfolg unserer Arbeit auf der europäischen Ebene beitragen.